Chemnitz · Textilgeschichte

Ein roter Faden durch Chemnitz.

Seit Jahrhunderten gehören Fasern, Stoffe und Maschinen zur Geschichte der Stadt. Diese Zeitreise folgt ihren Spuren – vom Bleichprivileg des Jahres 1357 bis zu dem Chemnitz, das ich heute Heimat nenne.

1357185118832022
Historische Darstellung der Chemnitzer Actien-Spinnerei im Jahr 1893
Actien-Spinnerei · 1893
Flachkulier-Wirkmaschine von 1907 im Industriemuseum Chemnitz
Wirkmaschine · 1907
Uhrturm des früheren Schubert-und-Salzer-Fabrikgeländes in Chemnitz
Wirkbau-Uhrturm · ab 1927
Alle Bildnachweise
Sieben Stationen

Von Faser, Arbeit und Erfindergeist.

Die Chemnitzer Textilgeschichte verlief nicht in einer geraden Linie. Handwerk, Handel, industrielle Fertigung und Maschinenbau beeinflussten einander. Der rote Faden verbindet hier die wichtigsten Stationen – und jedes Bild bleibt mit seiner Herkunft verknüpft.

01 · Der Anfang

1357

Das Bleichprivileg schafft einen Mittelpunkt.

Am 14. Dezember 1357 erlaubten die meißnischen Markgrafen die Einrichtung einer Landesbleiche an der Chemnitz. Die Ausfuhr von Flachs, Garn und ungebleichter Leinwand wurde zugleich beschränkt. So erhielt die Stadt früh eine besondere Stellung für Textilproduktion und -handel.13

02 · 17. und 18. Jahrhundert

1700er

Weben, Drucken und Wirken prägen Stadt und Region.

Im 17. Jahrhundert arbeitete bereits ein erheblicher Teil der Chemnitzer Bevölkerung in der Textilherstellung. Im 18. Jahrhundert gehörten Baumwollweberei und Kattundruckerei zu den wichtigen Wirtschaftszweigen; zugleich gewann die Strumpfwirkerei in Chemnitz und der Umgebung an Bedeutung.26

Historische Darstellung des Geländes der Chemnitzer Actien-Spinnerei von 1893
Der spätere industrielle Maßstab: Actien-Spinnerei, 1893 · Bildnachweis
03 · Maschinen für Maschen

1851

Aus Textilwissen wird Wirkmaschinenbau.

Mit der Industrialisierung wuchs nicht nur die Produktion von Stoffen und Wirkwaren. Chemnitzer Unternehmen entwickelten nun auch Maschinen dafür. Gottfried Martin Hilscher gründete 1851 eine sächsische Wirkmaschinenfabrik – ein wichtiger Schritt für den spezialisierten Maschinenbau der Stadt.4

Von G. Hilscher in Chemnitz hergestellte Flachkulier-Wirkmaschine von 1907
Flachkulier-Wirkmaschine von G. Hilscher · 1907 · Bildnachweis
04 · Spezialisierung

1883

Schubert & Salzer beginnt mit Strumpfmaschinen.

1883 begann das Unternehmen mit dem Bau von Strumpfmaschinen. 1889 entstand daraus die Chemnitzer Wirkmaschinenfabrik. Um 1900 zeigen Aufnahmen bereits große Maschinensäle: Textil und Maschinenbau waren in Chemnitz eng miteinander verbunden.47

Historischer Maschinensaal des Cottonmaschinenbaus von Schubert und Salzer um 1900
Cottonmaschinenbau von Schubert & Salzer · um 1900 · Bildnachweis
05 · Sichtbares Erbe

1927–32

Industrie hinterlässt Architektur und Zeichen.

1927 und 1928 entstand der markante Uhrturm auf dem Gelände von Schubert & Salzer nach Entwürfen des Chemnitzer Architekten Erich Basarke. Ein Wertpapier von 1932 dokumentiert zugleich die damalige Unternehmenswelt – zwei sehr unterschiedliche Zeugnisse derselben Epoche.7

Uhrturm des früheren Schubert-und-Salzer-Fabrikgeländes in Chemnitz
Wirkbau-Uhrturm · Bildnachweis
06 · Wissen bleibt in Bewegung

1960

Wirkmaschinenbau bleibt Teil der Stadt.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Karl-Marx-Stadt Strick- und Wirkmaschinen entwickelt und gebaut. Die Aufnahme von 1960 zeigt Beschäftigte des VEB Wirkmaschinenbau bei der gemeinsamen Arbeit an einer Maschine.8

Beschäftigte des VEB Wirkmaschinenbau Karl-Marx-Stadt im Dezember 1960
VEB Wirkmaschinenbau, Brigade „1. Mai“ · 1960 · Bildnachweis
07 · Ein eigener Anfang

2022

KNITSCHI entsteht in Chemnitz.

Seit 2022 entsteht in meiner Werkstatt eine kleine, fokussierte Kollektion aus 100 % Alpakawolle: auf der Strickmaschine gearbeitet, anschließend von Hand vollendet und persönlich kontrolliert. Chemnitz ist dabei keine Kulisse, sondern meine Heimat und der Ort, an dem jedes KNITSCHI-Stück entsteht.

Herstellung kennenlernen
Sören Schindler arbeitet in der KNITSCHI-Werkstatt an einer Rundstrickmaschine
KNITSCHI-Werkstatt · eigene Aufnahme
Spuren bis heute

Geschichte, die in Gebäuden und Sammlungen weiterlebt.

Historische Fabrikbauten, Maschinen, Muster und Fotografien bewahren die vielen Schichten dieser Entwicklung. Das Industriemuseum Chemnitz macht zahlreiche Zeugnisse zugänglich und ordnet sie in die sächsische Industriegeschichte ein.

Industriemuseum Chemnitz besuchen ↗
Nachvollziehbar

Quellen und Vertiefung.

Die historischen Aussagen stützen sich auf Veröffentlichungen der Stadt Chemnitz und des Industriemuseums. Urheber- und Lizenzangaben zu jedem verwendeten Bild stehen gesammelt in den Bildnachweisen.

  1. 01Stadt Chemnitz: Das Bleichprivileg von 1357 ↗
  2. 02Stadt Chemnitz: Industriegeschichte ↗
  3. 03Stadt Chemnitz: Historische Zeittafel ↗
  4. 04Industriemuseum Chemnitz: Schubert & Salzer und der Wirkmaschinenbau ↗
  5. 05Industriemuseum Chemnitz: Standortgeschichte ↗
  6. 06Industriemuseum Chemnitz: Strümpfe „made in Sachsen“ ↗
  7. 07Stadt Chemnitz: Uhrturm der Firma Schubert & Salzer ↗
  8. 08Industriemuseum Chemnitz: VEB Strickmaschinenbau Karl-Marx-Stadt ↗