Das Bleichprivileg stärkt Chemnitz als Zentrum der Leinwandherstellung.
Chemnitzer Textilgeschichte – ein roter Faden.
In Chemnitz wurden Fasern nicht nur verarbeitet. Hier wuchsen aus Handel und Handwerk neue Maschinen, Fabriken und ganze Industriezweige. Diese Zeitreise folgt dem textilen roten Faden – vom Bleichprivileg des Jahres 1357 bis zu dem Chemnitz, das ich heute Heimat nenne.
Von Fasern, Menschen und Maschinen.
Die Chemnitzer Textilgeschichte verlief nicht geradlinig. Auf Handarbeit folgten arbeitsteilige Manufakturen, mechanisierte Spinnereien und ein Maschinenbau von internationaler Bedeutung. Krisen, Verfolgung und Krieg hinterließen tiefe Brüche. Der rote Faden verbindet hier die wichtigsten Stationen – verdichtet, aber nicht verkürzt.
Die Herstellung baumwollener Strümpfe, Handschuhe und Mützen beginnt.
Mit Sachsens ersten mechanisierten Baumwollspinnereien beginnt das Fabrikzeitalter.
sächsischen Maschinenfabriken befinden sich 1851 in Chemnitz.
1357
Das Bleichprivileg schafft einen Mittelpunkt.
Am 14. Dezember 1357 erlaubten die meißnischen Markgrafen die Einrichtung einer Landesbleiche an der Chemnitz. Die Ausfuhr von Flachs, Garn und ungebleichter Leinwand wurde zugleich beschränkt. Bleicher, Weber, Färber und Händler bildeten damit schon früh eine zusammenhängende textile Wirtschaft.139
1532–1780
Aus Leinen werden Barchent, Kattun und Maschen.
1532 wurde die Ordnung der Chemnitzer Barchentweber bestätigt. Später erweiterten Kattundruck, Seidenwirkerei und neue Baumwollgewebe das Sortiment. Ab 1728 entstanden auch baumwollene Strümpfe, Handschuhe und Mützen. 1780 arbeiteten in der Stadt 540 Webermeister mit 600 Gesellen an rund 1.300 bis 1.400 Handwebstühlen – zusätzlich zu den vielen Heimarbeitenden im Umland.269

1799–1802
Wasserkraft setzt tausende Spindeln in Bewegung.
In Harthau und Furth entstanden die ersten mechanischen Baumwollspinnereien Sachsens. Englische Technik, Chemnitzer Erfinder und wassergetriebene Maschinen trafen hier auf jahrhundertealtes Textilwissen. Damit begann um 1800 das sächsische Fabrikzeitalter – und aus der Textilstadt wurde schrittweise auch eine Maschinenbaustadt.9
1851
Aus Textilwissen wird Wirkmaschinenbau.
Mit der Industrialisierung wuchs nicht nur die Produktion von Stoffen und Wirkwaren. Chemnitzer Unternehmen entwickelten nun auch die Maschinen dafür. 1851 befanden sich 20 der 32 sächsischen Maschinenfabriken in Chemnitz. Im selben Jahr gründete Gottfried Martin Hilscher eine Wirkmaschinenfabrik – ein wichtiger Schritt für den spezialisierten Maschinenbau der Stadt.49

1883
Schubert & Salzer beginnt mit Strumpfmaschinen.
1883 begann das Unternehmen mit dem Bau von Strumpfmaschinen. 1889 entstand daraus die Chemnitzer Wirkmaschinenfabrik. Um 1900 zeigen Aufnahmen bereits große Maschinensäle: Textil und Maschinenbau waren in Chemnitz eng miteinander verbunden.47

1927–32
Industrie hinterlässt Architektur und Zeichen.
1927 und 1928 entstand der markante Uhrturm auf dem Gelände von Schubert & Salzer nach Entwürfen des Chemnitzer Architekten Erich Basarke. Ein Wertpapier von 1932 dokumentiert zugleich die damalige Unternehmenswelt – zwei sehr unterschiedliche Zeugnisse derselben Epoche.7


1930–39
Jüdische Unternehmer prägen die Textilstadt – bis zur Verfolgung.
1930 gab es in Chemnitz 601 Betriebe der Wirkerei und Strickerei; 212 davon waren in jüdischem Besitz. Unternehmen und Handelsbeziehungen machten die Stadt international sichtbar. Ab 1933 wurden jüdische Inhaber verfolgt, enteignet und aus dem Wirtschaftsleben gedrängt. Bis 1939 war dieses über Jahrzehnte gewachsene Engagement weitgehend gewaltsam beendet.9
1960
Wirkmaschinenbau bleibt Teil der Stadt.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in Karl-Marx-Stadt Strick- und Wirkmaschinen entwickelt und gebaut. Die Aufnahme von 1960 zeigt Beschäftigte des VEB Wirkmaschinenbau bei der gemeinsamen Arbeit an einer Maschine.8

2022
KNITSCHI entsteht in Chemnitz.
Seit 2022 entstehen in meiner Werkstatt die KNITSCHI-Mütze und die 2-in-1-Lösung aus 100 % Alpakawolle: auf der Strickmaschine gearbeitet, anschließend von Hand vollendet und persönlich kontrolliert. Chemnitz ist dabei keine Kulisse, sondern meine Heimat und der Ort, an dem jedes KNITSCHI-Stück entsteht.
Herstellung kennenlernen
Geschichte, die in Gebäuden und Sammlungen weiterlebt.
Historische Fabrikbauten, Maschinen, Muster und Fotografien bewahren die vielen Schichten dieser Entwicklung. Sie erzählen von Erfindergeist und Arbeit, aber auch von Ausbeutung, Verfolgung, Krieg und Neubeginn. Das Industriemuseum Chemnitz macht zahlreiche Zeugnisse zugänglich und ordnet sie in die sächsische Industriegeschichte ein.
Industriemuseum Chemnitz besuchen ↗Quellen und Vertiefung.
Die historischen Aussagen stützen sich auf Veröffentlichungen der Stadt Chemnitz, des Industriemuseums Chemnitz und auf einen Begleitband zur Chemnitzer Industriekultur. Urheber- und Lizenzangaben zu jedem verwendeten Bild stehen gesammelt in den Bildnachweisen.
- 01Stadt Chemnitz: Das Bleichprivileg von 1357 ↗
- 02Stadt Chemnitz: Industriegeschichte ↗
- 03Stadt Chemnitz: Historische Zeittafel ↗
- 04Industriemuseum Chemnitz: Schubert & Salzer und der Wirkmaschinenbau ↗
- 05Industriemuseum Chemnitz: Standortgeschichte ↗
- 06Industriemuseum Chemnitz: Strümpfe „made in Sachsen“ ↗
- 07Stadt Chemnitz: Uhrturm der Firma Schubert & Salzer ↗
- 08Industriemuseum Chemnitz: VEB Strickmaschinenbau Karl-Marx-Stadt ↗
- 09
Industriemuseum Chemnitz: Industriearchäologie – Das Herz von Chemnitz. 220 Jahre Industriekultur (Begleitband zur Sonderausstellung)
